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Corona schadet dem Gehirn: Wissenschaftliche Ergebnisse verdichten sich

Mittlerweile gilt es als weitestgehend sicher, dass Sars-CoV-2 bei Betroffenen nicht nur Belastungen der Lunge hervorrufen, sondern auch weitere Organe betroffen sind. So stellten Mediziner fest, dass auch die Nieren, die Leber und das Herz vom Virus betroffen und beeinträchtigt werden. Vor einigen Monaten rückte in den Fokus ein weiteres Organ: unser Gehirn. Auch wenn die genauen Zusammenhänge zwischen dem zentralen Nervensystem und dem Eintritt des Virus noch nicht ganz eindeutig geklärt sind, steht fest: An Corona erkrankte Patienten leiden immer häufiger an Gedächtnislücken und Kopfschmerzen.

IQ kann mit Corona deutlich abnehmen

Für eine umfassende Untersuchung werteten Forscher aus London die Testergebnisse von über 84.000 Personen aus, welche den britischen Intelligenztest absolvierten. Dabei fiel auf, dass unter den Teilnehmern die Menschen schlechtere Ergebnisse erzielten, die sich zuvor mit dem Coronavirus infiziert hatten. Beunruhigend ist dabei, dass auch die Personen betroffen waren, die keinen schweren Krankheitsverlauf hatten und sich von den Symptomen bereits schnell wieder erholt hatten. Auch sie zeigten beim Test erhebliche Defizite. Bei Teilnehmern des Testes, die unter schlimmen Symptomen gelitten hatten, sank der IQ um ganze 8,5 Punkte. Noch eine weitere Schlussfolgerung des Forscherteams ist beängstigend. Das Gehirn der Patienten sei aufgrund der Erkrankung um bis zu zehn Jahre gealtert. Ein ähnliches Ergebnis hatten bereits Mediziner der Universitätsklinik in Schleswig-Holstein vorgestellt.

So lief der britische Test zu Gedächtnistraining ab

Interessant ist dabei, wie der Test aussah, den die britischen Wissenschaftler gemeinsam mit Fachleuten aus Chicago und Cambridge den Probanden zur Prüfung vorlegten. Darin wurden etwa Aufgaben abgefragt, bei denen sie sich an Wörter erinnern mussten oder auf einem Puzzle verschiedene Punkt zusammenfügen sollten. Solche kognitiven Aufgaben werden auch dann herangezogen, wenn die Gehirnleistung von an Alzheimer erkrankten Personen abgeprüft werden soll oder Unfallopfer hinsichtlich Verarbeitung von Emotionen, Aufmerksamkeit und Orientierung überprüft werden.

Neurologische Schäden immer häufiger feststellbar

Ergebnis der durchgeführten Untersuchung ist nicht nur eine Abnahme der kognitiven Fähigkeiten. Auch psychische Probleme seien nach der Erkrankung deutlich wahrscheinlicher. Der Mediziner und SPD-Politiker Lauterbach warnte die Bevölkerung im Laufe der vergangenen Monate immer wieder, die die Folgen von Corona nicht zu unterschätzen. Die Hinweise und Erkenntnisse belegen, dass das Virus auch vor dem Gehirn keinen Halt macht. So finden Pathologen auf der ganzen Welt immer wieder Spuren des Virus im Gehirn. Zudem berichten immer mehr Betroffene, dass sie neurologische Symptome bemerken. Etwa starker Schwindel, Gedächtnisverlust, Kopfschmerzen oder psychologische Probleme. Diese Symptome sind teilweise auch viele Wochen und Monate nach der Erkrankung vorhanden. Bei sehr schweren Verläufen beobachten Mediziner, dass es auch zu Schlaganfällen, Nervenschäden und Entzündungen des Gehirns kommt.

Genauen Abläufe im Hirn noch unklar

Was genau läuft in unserem Organismus ab, wenn Sars-CoV-2 in unser Gehirn gelangt. Als mittlerweile wissenschaftlich erwiesen gilt, dass das Virus hauptsächlich über Proteine in die Körperzellen eintritt. Abhängig davon wie viele von ihnen im Organgewebe vorhanden sind, setzt sich dort auch das Virus an. Wo genau sich diese allerdings im Körper befinden und in welcher Dichte – darüber sind sich die Wissenschaftler bisher nicht einig. Nicht abschließend geklärt ist dabei zudem, ob es das Virus selbst ist, das die neurologischen Beschwerden auslöst, oder ob es viel mehr ein überstimuliertes Immunsystem ist, welches zu diesen Symptomen führt. Diesen Unterschied in Erfahrung zu bringen sei enorm schwer, betonen Wissenschaftler immer wieder. Gerade, weil die Erkenntnis zu Zusammenhängen zwischen Gehirnschädigungen und dem Coronavirus noch sehr neu sind. Und dennoch: Forscher aus Amerika haben mit unterschiedlichen Experimenten zum ersten Mal konkrete Ansatzpunkte für den Zusammenhang gefunden. So kann das Virus die Neuronen anfallen und darüber zu einer Virusinvasion des zentralen Nervensystems führen. Dies ist das Ergebnis eine intentional beachtete Studie von Anfang September hervor, welche auf dem Preprintserver Biorxiv vorgestellt wurde.

Virus im Hirnstamm nachgewiesen

Verschiede Studien haben bereits dokumentierte, dass gerade bei schweren Verläufen immer wieder neurologische Symptome in verschiedenen Ausprägungen auftreten. Wie genau das Virus in den Hirnstamm gelangt, ist nicht abschließend erforscht. Licht ins Dunkle brachte kürzlich eine Untersuchung des Teams rund um Markus Glatzel. Er hat für die Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf die Gehirne von insgesamt 43 im Zusammenhang mit Corona gestorbenen opfern untersucht. Darunter waren 27 Männer und 16 Frauen mit einem durchschnittlichen Alter von 76 Jahren. In immerhin 21 Fällen fanden die Hamburger Forscher Virusproteine von Corona im Hirnstamm. Zudem wurden sie in den Nerven entdeckt, die dem Hirnstamm entspringen. Dabei war die Menge an Viren jedoch recht klein und es wurden nicht mehr Veränderungen in den Patientengehirnen von den stark erkrankten Patienten gefunden als bei denen ohne Virus. Deutlich zeigte sich dabei aber eine Immunreaktion im Hirn. Das Forscherteam schließt hieraus, dass für das Auftreten von neurologischen Symptome Entzündungszellen im Gehirn zuständig sind. Es halt als nicht geklärt, ob und wenn ja wie ein Erreger in das Gehirn kommt, um sich dort auszubreiten. Die Hamburger Forscher schließen daraus, dass das Virus nicht das Hirn selbst schädigt, sondern dass neurologische Symptome auf die Folge der Virusinfektion zurückzuführen sind. Lediglich im Blut von Betroffenen konnte bisher ein veränderter Immunantwort nachgewiesen werde.

Corona: deutliche aggressiver als andere Infektionskrankheiten

Die Tests der Wissenschaftler zeigen, dass es sich bei dem Gehirn um einen Ort für ein enormes Replikationspotenzial für das Virus handelt, so schreiben es die Forscher in ihrer Stellungnahme. Auch umliegende Zellen können vom Coronavirus angetroffen werden und das auf eine deutlich aggressivere Art als es andere Infektionskrankheiten wie etwa Zika bisher getan haben. Um die Erkenntnis zu gewinnen, nutzen die Forscher drei unterschiedliche Verfahren. Sowohl eine Mikrostruktur mit nachgebautem organähnlichem Stammzellensystem und Mäuse bekamen das Virus. Zudem wurde das Virus auch an Verstorbenen untersucht. Zu einem sehr ähnlichen Forschungsergebnis kamen bereits Ende Mai Mitglieder der University of San California.

Psychosen, Schlaganfälle und Depressionen möglich

Weil es dazu aber noch nicht ausreichend Studienergebnisse gibt, sind die Wege, die das Virus in unseren Körper nimmt, noch nicht hinreichend erforscht. Warum oder inwieweit auch weniger stark betroffenen Infizierte von neurologischen Schädigungen betroffen sein können, lässt sich derzeit aufgrund der kleinen Datenmenge nicht sagen. Aus Krankenhäusern liegen aber Einzelstudien vor. So berechneten britische Wissenschaftler auf der Grundlage von Patientendaten die Wahrscheinlichkeit, ab wann schwer Erkrankte deutliche neurologische Probleme entwickelten. Dabei bekamen 62 Prozent der 125 untersuchten Menschen im Laufe der Erkrankung erhebliche Schädigungen des Gehirns, beispielsweise mit Blutungen oder Schlaganfällen in der Folge. Weiterhin stellten die Wissenschaftler fest, dass 31 Prozent an einer Schwellung des Gewebes im Gehirn litten oder psychische Zustände der Verwirrung entwickelten. Sogar eine Psychose entwickelten zehn der untersuchten Psychosen. In China ließen sich bereits ähnliche Beobachtungen feststellen. Die Hälfte von 500 beobachteten Infizierten litten an neurologischen Problemen wie Konzentrationsschwierigkeiten, Geruchsverlust, Geschmacksverlust, Krampfanfälle, Schwäche und Schlaganfälle. Aus diesem Grund erhalten Infizierte nach ersten Besserungen auch Gedächtnistraining. Das Gedächtnistraining soll dabei helfen, das Gehirn wieder stärker zu fördern.

Robert-Koch-Institut nimmt neurologische Symptomen Steckbrief auf

In Deutschland hat das Robert-Koch-Institut mittlerweile neurologische Symptome in den Steckbrief zu Corona aufgenommen. Das Virus könne sich auf vielfältige Weise auch an anderen Organsystemen manifestieren als an der Lunge, so heißt es darin. Als neurologische Folgen werden dabei Schwindel, Beeinträchtigen der Gehirnleistung und Kopfschmerzen beschrieben. Da es sich aber bei Corona um einen neuen Virus handle, seien die Folgeschäden und Langzeitauswirkungen noch nicht eindeutig absehbar, schreiben die Wissenschaftler. Die bereits festgestellten Erkenntnisse machen aber deutlich, dass es sich um einen zweifelsfrei gefährlichen und aggressiven Virus handelt, der nicht nur der Lunge gefährlich werden kann.

 

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