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Die Welt hält den Atem an angesichts der COVID 19 Pandemie – die Produktion verschiedenster Güter wurde während des Lockdowns zum Teil komplett zurück gefahren, es gab kaum Verkehr auf den Straßen, der Luftverkehr brach stark ein, der Tourismus kam zum Erliegen. Unter dem Strich kam es zu bedeutend weniger Eingriffen des Menschen in die Tier- und Pflanzenwelt. Während Milliarden von Menschen rund um den Globus sich in ihrem Zuhause mehr oder weniger freiwillig einschließen mussten, kam es zu einem Anstieg der tierischen Aktivitäten in der Umwelt. Viele Medien deklarierten dieses vermehrte Auftauchen von Wildtieren an Orten, wo diese normalerweise nicht mehr oft gesichtet werden, als “Zurückeroberung ihres Lebensraums” durch die Natur. Bilder von Delfinen in der venezianischen Lagune etwa gingen innerhalb weniger Stunden weltweit in den sozialen Medien viral und rührten die Herzen der Menschen. Die Wildtiere nutzten die Gelegenheit und erkundeten die zahllosen verlassenen Tourismusziele, die leeren Straßen der großen Städte und wagten sich sogar in die Vorgärten. Es war, als ob sich die Natur endlich einmal eine dringend benötigte Verschnaufpause gönnen konnte.

Die Lärm- und Luftverschmutzung ging zurück, was dazu führte, dass Vögel und andere Tiere ungestört ihre Jungen aufziehen konnten. Aufgrund des verringerten Schiffverkehrs und dem damit in Verbindung stehenden Dröhnen der Schiffsschrauben, konnten Wale ihre Artgenossen endlich wieder glasklar über Meilen hinweg hören und ihnen antworten. Die Tierwelt suchte die Orte auf, die endlich wieder ruhig waren und frei von jeglichem von Menschen verursachtem Lärm.

Verschiedene Experten im Bereich der Tierforschung konnten beobachten, wie beispielsweise seltene Raubvögelpaare in Ruhe brüten und ihre Jungen aufziehen konnten. Die Überlebenschance für die Küken war weitaus höher als zu Nicht-Corona-Zeiten. In Santiago de Chile zeigte sich ein seltener Puma in den Straßen und streifte auf der Suche nach Beute durch die Stadt. Behörden betäubten das Jungtier und brachten es in die nahe gelegenen Berge zurück, wo er normalerweise anzufinden ist. Im israelischen Tel Aviv wagten sich Schakale bis weit in die Wohngebiete vor. Auch in Wales begaben sich die sehr seltenen weißen, walisischen Kaschmir Ziegen aus den Hügel hinab in die Stadt Llandudno, wo sie sich an den Gartenhecken gütlich taten. Die widerspenstigen Ziegen verhielten sich immer mutiger und dreister und verzichteten sogar darauf, während des Lockdowns in die Berge zurückzukehren. Sie blieben längere Zeit in den Vorgärten des kleinen Städtchens. Im Touristenmagnet Venedig posteten Menschen Bilder und Videos von Kanälen, die sauberer als sonst erscheinen und in die die Fische zurückkehrten. In Mailand waren seit langer Zeit einmal wieder Schwäne im städtischen Kanalsystem “Navigli” zu bewundern. In Bogotá kam es zu Sichtungen von Füchsen, in San Francisco von Kojoten und im japanischen Nara von einer ganzen Hirschherde, die aus einem Park ausgebrochen war und durch die Gegend zog. Durch den verringerten Autoverkehr war auch die Amphipienwanderung in 2020 weitaus weniger gefährlich für die Tiere. Auch bedrohte Krötenarten und Frösche konnten sich in Ruhe fortpflanzen. Kojoten, Wölfe und Schwarzbären im amerikanischen Yosemite Nationalpark, mit bis zu 4 Millionen Besuchern einer der meistbesuchten Nationalparks in den USA, waren auf den normalerweise stark befahrenen Zugangsstraßen zu sehen. Im größten Wildreservat Südafrikas, dem Krüger Nationalpark, ruhen sich die Löwenrudel mittlerweile auf dem weit verzweigten Wegenetz und direkt vor der Haustüre der Lodges für die Touristen aus. Das Ausbleiben von mehr als einer Million Besuchern pro Jahr und die damit verbundene Hektik tut dem Tierleben im Krüger Nationalpark gut. Auch die extrem seltene Caracal-Katze bewegt sich im Lockdown frei auf den Straßen Kapstadts. Isreal sieht sich mit Wildschweinen konfrontiert, die marodierend durch die Straßen im Lockdown ziehen. Mittlerweile gibt es sogar Wildschein-Patrouillen, die verhindern sollen, dass die Schweine allzu große Schäden anrichten. In Albanien nimmt die Anzahl der rosa Flamingos und Pelikane entlang der Küste und in den Lagunen stetig zu, denn sie werden nicht mehr von den Touristenbooten vertrieben. Tatsächlich ist sie 2020 bereits um ein Drittel gewachsen. In Thailand wurden vermehrt Dungong-Herden gesichtet. Hierbei handelt es sich um eine Gabelschwanzseekuh, die im seichten Wasser vor der Küste Thailands beheimatet ist. Im Hat Chau Mai-Nationalpark konnten mehrere Exemplare im Zusammenschluss einer Herde gesichtet werden, die normalerweise das Gebiet aufgrund des starken Tourismusaufkommens meiden. Diese Bilder geben Grund zur Hoffnung, denn momentan gibt es in Thailand nur noch 250 Dugongs, die vom Aussterben bedroht sind.

 

Doch der Corona-Lockdown ist nicht für alle Tierarten von Vorteil

 

So genannte “Kulturfolger” oder auch Hemerophile sind Tiere oder Pflanzen, die aufgrund anthropogener Landschafts verändernden Maßnahmen Vorteile erlangen und deshalb dem Menschen in seine Kulturumgebung folgen. Das Gegenteil sind Kulturflüchter, die vor der Zivilisation fliehen. Sie ernähren sich vorwiegend von den Abfällen von Restaurants und Privathaushalten, finden Unterschlupf in Häusern, Garagen und Gartenhäuschen und sind somit direkt von der Existenz des Menschen abhängig. Zu diesen Tierarten zählen unter anderem die Ratte, der Turmfalke, die Felsentaube und der Sperber. Auch die Stubenfliege und Obstmücken leben von den Hinterlassenschaften des Menschen. Für diese Tiere ist der Corona-Lockdown keine positive Entwicklung, denn durch die verringerte Aktivität des Menschen wird auch ihr Nahrungsangebot knapper.

Noch dramatischer ist die Lage für stark bedrohte Tierarten auf allen Kontinenten, wie z. B. Nashörner und Elefanten. Der weltweite Lockdown aufgrund Covid 19 führte dazu, dass Wildhüter nicht mehr ihrer Aufgabe nach gehen konnten und die wilden Tiere schutzlos den Wilderern ausgeliefert waren. Durch die Wirren des Lockdowns gelingt es zudem auch, illegalen Schmuggel zu betreiben, weil der Fokus der Behörden mittlerweile woanders liegt. Hinzu kommt, dass weniger Geldmittel für den Naturschutz zur Verfügung stehen und nicht wenige Regierungen unter dem Deckmantel des Kampfes gegen Corona bestehende Naturschutzabkommen außer Kraft setzen, um größt mögliches Kapital aus der Ausbeutung der Natur zu schlagen. Brasilien ist hier nur ein Beispiel von vielen.

Während des Lockdowns haben die Menschen angefangen, ihren Fokus mittlerweile auf die Natur zu richten – in Zeiten von Kontaktbeschränkungen, Reiseverboten und Quarantäne angesichts einer globalen Pandemie entdecken sie ihre direkte Umgebung neu. Stadtparks, Naherholungsgebiete und Seen werden als schützenswerter erachtet als noch vor der Corona-Pandemie. Die Menschen verwenden nun viel mehr Zeit darauf, ihre eigenen vier Wände zu begrünen, Balkone und Gärten werden neu gestaltet, sogar der Eigenanbau von Gemüse und Obst kommt immer mehr in Mode.

 

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