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Mensch und Tier – Dreamteam seit Menschengedenken

Die ältesten bildlichen Darstellungen von Tieren, die uns bislang bekannt sind, stammen aus einer Höhle auf der Insel Borneo. Dort wurden Felsenmalereien entdeckt, die mindestens 40.000 Jahre alt sind. Die Bilder zeigen eine Wildrindform, Banteng genannt. Auf dem historischen Fuß folgend reihen sich die Höhlenmalereien von Lascaux in Frankreich und Altamira in Spanien ein. Diese werden auf ca. 35.000 bzw. 37.00 Jahre datiert. Auch dort zeigen die durchaus kunstvollen Darstellungen Wildpferde, Hirsche, Auerochsen und Bären, also Tiere, die mehr oder weniger regelmäßig den Weg unserer Vorfahren kreuzten. Egal, ob diese sie als Bedrohung oder lebensnotwendige Beutetiere ansahen, deren Jagderfolg die Ernährung der gesamten Sippe für einen längeren Zeitraum sichern konnte: Eine derart detailgetreue und genaue Abbildung dieser Tiere setzte intensives Beobachten über einen längeren Zeitraum voraus. Da die Menschen damals jedoch mehr mit dem täglichen Kampf ums Überleben als mit künstlerischen Betrachtungen ihr Tagewerk füllen mussten, kann folgender Schluss gezogen werden: Das Beobachten der Tiere diente dem besseren Verständnis. Die Urform der Tierkommunikation war geboren.

Wie aus der Not eine Tugend entstand

Für den Jagderfolg essentiell war es ursprünglich, das Gebaren der wild lebenden Tiere genauestens zu studieren. Ihre Beobachtung durch das Jahr hindurch ermöglichte es den Kulturen der Jäger und Sammler erst, die Bedrohung in überschaubaren Grenzen zu halten und immer wieder Fleisch für die Gemeinschaft mit nach Hause bringen zu können. Erst Jahrtausende später – durch die Neolithische Revolution – wurde die Nutztierhaltung ein fixer Bestandteil der Lebens- und Ernährungsform. Noch immer war eine gute Mensch-Tier-Kommunikation sinnvoll. Doch entstanden ist sie aus der schieren Not heraus, die Beute jagdbar und die mögliche Bedrohung – etwa durch Bären – auf ein Mindestmaß zu reduzieren. Doch Tierkommunikation ist keine Einbahnstraße. Auch Tiere lernten im Laufe der Menschheitsgeschichte, dass sich das Verstehen der Menschen für sie durchaus lohnen konnte.

Tierkommunikation für Fortgeschrittene: Der Wolf wird zum Haushund

Zahlreiche Theorien rankten und ranken sich nach wie vor um die Frage, wie der beste Freund des Menschen ursprünglich eigentlich zu diesem werden konnte. Der Wolf als Jäger und Rudeltier mit streng hierarchischem Reglement und ausgeprägten sozialen Mechanismen innerhalb des Rudels ist schwerlich ein einfacher Kandidat, um Jahrtausende später ein folgsamer und freundlicher Haus-, Begleit- und Schoßhund zu werden. Wie so oft in der Geschichte der Evolution stand auch hier am Anfang der Ereigniskette die Nahrungskette. Der Überlebenstrieb war es letztendlich wohl, der den stolzen Wolf seine Scheu und natürliche Skepsis gegenüber den Menschen ablegen und zunehmend dessen Nähe suchen ließ. Harte Winter zwangen die Wolfsrudel dazu, jüngere Wölfe, die sich nicht als Alpha-Tiere durchsetzen konnten, aus dem Rudel zu verstoßen. Man vermutet heute unter genau diesen Underdogs die Urväter unseres Haushundes. Eigenschaften wie Sanftmut, Zutraulichkeit und Geduld wirkten sich lohnend auf die Nähe zu menschlichen Siedlungen aus. Reste von Beutetieren und Schlachtabfällen waren Grund genug, die Menschen als Chance und nicht als Bedrohung zu sehen. Diese Rechnung hätte für den Wolf allerdings auch nicht aufgehen können. Was machte ihn so sicher, dass die Nähe zu den Menschen die Rettung und nicht sein endgültiges Ende sein würde? Ganz einfach: Er lernte, die Menschen zu lesen. Und die Menschen lernten umgekehrt, seine guten (damals: nützlichen) Eigenschaften zu erkennen und für ihre Zwecke zu nutzen. Eine Erfolgsgeschichte, die bis heute anhält.

Körpersprache als Schlüsselelement

Wo die verbale Kommunikation versagt oder ohne Aussicht auf Erfolg bleiben wird, tritt die non-verbale Verständigung in Kraft. Auch hier lernen wir aus dem Tierreich. Uns “aufplustern”, uns größer machen, als wir sind, den Platzhirsch markieren, mit den Wölfen heulen: Diese Redewendungen kommen nicht von ungefähr. Gerade Gesten der Bedrohung, des Kampfes, des Angriffs werden gerne aus dem Tierreich übernommen. Wer je einen Bären gesehen hat, der sich zu voller Größer aufrichtet, um einen Widersacher in die Flucht zu schlagen, weiß, was simple Körpersprache zu vermitteln vermag. Umgekehrt funktioniert das Ganze natürlich auch. In die Knie gehen, sich sprichwörtlich klein machen und ruhig verhalten, den Kopf einziehen, sich flach auf den Boden drücken: Dies alles sind Gesten der Unterwerfung, der Kapitulation, des sicheren Rückzugs. Sich tot zu stellen ist im Tierreich weit verbreitet. Auch der Mensch hat diese – oft letzte – Form des Auswegs auf der Jagd und im Zweikampf erfolgreich übernommen.

Gewaltfreie Tierkommunikation – der Schlüssel zum (wahren) Erfolg

Gewalt war lange Zeit leider auch in der Kommunikation mit Tieren das probate Mittel. Das Zähmen von wilden Pferden sei hier nur als ein Beispiel genannt. Früher oder späte waren solche und ähnliche Versuche auch von Erfolg gekrönt – mit Schmerzen und Qualen bricht man über kurz oder lang jede Seele, auch jene der Tiere. Leider wurden diese “Erfolge” über Jahrhunderte hindurch als genau das angesehen: eine erfolgreiche Art und Weise, Tiere gefügig zu machen. Betrachtet man zeitgemäße Formen der Interaktion zwischen Mensch und Tier, wird man feststellen, dass es wesentlich einfachere und sanftere Methoden gibt, mit Tieren in Kontakt zu treten. Die erfolgversprechendste Art: Futter als Belohnung. Der Lebenserhaltungstrieb ist bei Mensch und Tier der wohl am stärksten ausgeprägte. Wenn die erwünschten Verhaltensweisen mit einer Futtergabe belohnt werden, dauert es meist nicht lange, bis die Tiere ein Muster erkennen und ihr Verhalten wunschgemäß anpassen können. Manche Hunde, die als Such-, Spür- oder Hütehunde eingesetzt werden, erhalten Bestätigung für ihre Erfolge in Form ihres Lieblingsspielzeugs oder Streicheleinheiten ihres menschlichen Trainers. Auch Lob mit hoher Stimme kann besonders Welpen zu Höchstleistungen in Sachen “guter Hund” bringen. Tiere sind – genau wie Menschen auch – Individualisten und sollten genauso behandelt werden. Unnötig zu erwähnen, dass das Gehör der meisten Tiere um Längen besser ist als unser menschliches. Mit ihnen zu schreien ist also nicht nur niveau-, sondern hauptsächlich auch sinnlos.

Ehrlich währt am längsten

Der Kern all dieser Formen von Tierkommunikation ist Ehrlichkeit. Die unsere, nämlich. Tiere agieren von Haus aus authentisch und täuschen uns nicht bewusst. Umgekehrt können sie unlautere Absichten und halbherzige Versuche unsererseits aber sofort durchschauen. Das Miteinander kann nur auf Augenhöhe und mit bestem Wissen und Gewissen gelingen. Tiere wissen das bereits. Wir Menschen müssen leider noch viel von ihnen lernen.

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