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Nach einer Prostata OP leiden viele Männer unter Inkontinenz, was die Lebensqualität entscheidend negativ beeinflusst. Während der Operation wird häufig der innere Blasenschließmuskel entfernt, was zu dem unwillkürlichen Harnabgang bei Druck auf die Blase führt. Diesem Problem können Sie als Patient jedoch aktiv entgegenwirken und einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, schnell wieder fit zu werden. Die effektivste Maßnahme, um die Kontinenz wiederherzustellen, ist das Beckenbodentraining. Mithilfe von geeigneten Beckenbodenübungen können Sie effektiv und schnell den Zustand verbessern und der Inkontinenz entgegenwirken.

Hinweise vor dem Ausführen der Übungen nach Prostata OP

Beachten Sie bei der Durchführung der Übungen nach Prostata OP folgende Hinweise:

  • Ab der zweiten Woche nach der OP können Sie langsam mit dem Beckenbodentraining beginnen. Starten Sie dabei vorsichtig und sanft mit etwa 25 Prozent der maximalen Intensität. Erst nach sechs Wochen sollten Sie die Übungen mit der vollen Intensität durchführen.
  • Treten während der Übungen Schmerzen oder ein vermehrter Harnverlust auf, brechen Sie die Übung umgehend ab.
  • Achten Sie während der Übung auf eine gleichmäßige Atmung und vermeiden Sie Pressatmung.
  • Lenken Sie während der Übung Ihren Fokus auf die angespannte Muskulatur

Das Programm der Übungen nach Prostata OP

Das Beckenbodentraining setzt sich zusammen aus:

  • Wahrnehmungsübungen
  • Venenpumpübungen
  • Kräftigungsübungen für den Beckenboden und umliegende Muskeln
  • Beweglichkeitsübungen der Hüftgelenke und der Lendenwirbelsäule

Versuchen Sie regelmäßig fünf bis sieben Mal pro Woche für 20 bis 30 Minuten die nachfolgenden Übungen in der beschriebenen Reihenfolge durchzuführen.

Wahrnehmungsübungen

Zu Beginn des Trainings sollten Sie zunächst Wahrnehmungsübungen durchführen, um ein isoliertes Wahrnehmen sowie ein gezieltes Ansprechen der Beckenbodenmuskulatur zu üben.

Hinweis: Das gezielte Ansprechen des Beckenbodens kann zunächst schwer fallen oder die ersten Male nicht möglich sein. Dies benötigt in der Regel etwas Zeit und Übung.

Aktiver vs. schlampiger Sitz

Setzen Sie sich wenn möglich auf einen Hocker (ein Stuhl ist notfalls auch möglich) und stellen Sie die Füße hüftbreit parallel auf. Schlampiger Sitz: Sitzen Sie in der Ausgangsstellung entspannt, lassen die Schultern nach vorne fallen und machen den Rücken rund. Aktiver Sitz:Bringen Sie anschließend das Becken in eine gerade Position zwischen Rundrücken und Hohlkreuz. Der Kopf und die Wirbelsäule bleiben aufrecht als würden Sie von einem Faden am Kopf nach oben gezogen werden. Nehmen Sie die Schulterblätter nach hinten unten. Halten Sie diese Position für fünf Sekunden.

Wechseln Sie zehn Mal zwischen den Positionen und nehmen Sie die unterschiedlichen Positionen Ihres Körpers wahr.

Abtasten der Strukturen

Für eine bessere Wahrnehmung ist es oftmals hilfreich zunächst die Strukturen abzustasten. Ertasten Sie zunächst mit beiden Händen den Knochenvorsprung am Becken. Wandern Sie anschließend nach unten und ertasten Sie den Bereich zwischen Schambein und After (dafür müssen Sie das Gesäß ggf. leicht anheben). Setzen Sie sich abschließend mit dem Gesäß auf Ihre Handinnenflächen und versuchen Sie die spitzen Sitzbeinhöcker zu spüren.

Venenpumpübungen

Die Venenpumpübungen dienen als Entlastungsübungen gegen den Druck in den Becken- und Beinvenen. Zudem Fördern sie die Durchblutung im Beckenbereich.

Schulterbrücke

Legen Sie sich in Rückenlage auf eine Matte und stellen die Füße dicht an das Gesäß. Heben Sie anschließend Ihr Becken langsam an und rollen sich von der Lendenwirbelsäulen bis zur Halswirbelsäule nach oben. Atmen Sie dabei aus. Am obersten Punkten sollten Ihr Oberkörper, Ihr Becken und die Oberschenkel eine Linie bilden. Beim Ausatmen rollen Sie sich langsam Wirbel für Wirbel zurück bis das Becken wieder am Boden ist.

Wiederholen Sie die Übung acht Mal.

Fahrradfahren

Bleiben Sie in der Rückenlage und heben Ihre Füße vom Boden ab. Versuchen Sie im Hüft-, Knie- und Sprunggelenk je einen 90 Grad Winkel zu halten. Bewegen Sie die Beine nun in großen Kreisen wie beim Fahrradfahren.

Führen Sie die Übung drei Mal für 45 Sekunden durch und machen Sie dazwischen 30 Sekunden Pause.

Tipp: Legen Sie die Hände flach zwischen den unteren Rücken und die Matte, um die Lendenwirbelsäule zu unterstützen.

Knie-Ellenbogen-Lage

Begeben Sie sich auf der Matte auf die Knie und stützen sich auf den Unterarmen ab. Strecken Sie ein Bein nach hinten aus und ziehen dann das Knie Richtung Brust. Führen Sie diese Bewegung acht Mal durch und wechseln anschließend das Bein.

Wiederholen Sie die Übung drei Mal und pausieren Sie dazwischen 30 Sekunden.

Kräftigungsübungen für den Beckenboden sowie umliegende Muskeln

Die Kräftigungsübungen sind wichtig für einen gestärkten Beckenboden und alle umliegenden Muskeln, sodass ein funktionelles Zusammenspiel zwischen allen beteiligten Strukturen gut funktioniert.

Aufzug

Setzen Sie sich aufrecht auf einen Stuhl und stellen sich vor, Ihr Unterleib sei ein Haut mit vier Stockwerken und der Beckenboden ein Aufzug. Fahren Sie nun mit dem Aufzug in die erste Etage und spannen dabei den Beckenboden leicht für drei bis fünf Sekunden an. Anschließend fahren Sie weiter nach oben in die zweite Etage und spannen den Beckenboden für drei bis fünf Sekunden etwas stärker als beim ersten Mal an. Für die dritte und vierte Etage findet eine noch stärkere Anspannung statt. Anschließend fahren Sie mit Zwischenstopps langsam wieder nach unten und lösen analog dazu die Spannung im Beckenboden.

Wiederholen Sie die Übung acht Mal.

Klötzchen

Begeben Sie sich in den aktiven Sitz und stellen sich die einzelnen Wirbelsäulenabschnitte (HWS, BWS und LWS) als Bauklötzchen vor, die zu einem Turm gestapelt sind. Legen Sie eine Hand auf den Bauch und eine Hand in den Rücken, um die Muskeln besser zu spüren. Lehnen Sie sich nun im Wechsel so weit wie möglich nach vorne und nach hinten, ohne dass sich die Bauklötzchen verschieben, das heißt, der Oberkörper sollte seine Position nicht verändern und die Bewegung findet ausschließlich im Hüftgelenk statt. Gehen Sie nur soweit nach vorne und hinten, wie Ihr Rumpf die Spannung halten kann.

Wechseln Sie zehn Mal zwischen beiden Positionen, pausieren Sie anschließend für 30 bis 60 Sekunden. Wiederholen Sie die Übung drei Mal.

Beweglichkeitsübungen der Hüftgelenke und der Lendenwirbelsäule

Durch die Erhöhung der Beweglichkeit in Hüfte und der Lendenwirbelsäule soll eine möglichst freie Beweglichkeit des Beckens ermöglicht werden.

Katze-Kuh-Übung

Begeben Sie sich im Vierfüßlerstand auf die Matte. Ziehen Sie beim Einatmen den Bauchnabel ein, bewegen das Kinn in Richtung Brust, kippen das Becken nach innen, sodass die Wirbelsäule Richtung Decke drückt (Katzenbuckel-Position). Kippen Sie beim Ausatmen die Hüfte zurück, strecken Sie den Rücken durch, blicken Sie in Richtung Decke und nehmen das Kinn nach oben (Kuh-Position).

Wechseln Sie acht Mal zwischen beiden Positionen.

Hüftrotation

Sie bleiben im Vierfüßlerstand und heben das rechte Bein. Bewegen Sie das Knie nach vorne Richtunge Ellenbogen, führen das Bein weiter nach oben, hinten und wieder nach unten am anderen Bein vorbei. Sie versuchen möglichst große Kreise mit dem angewinkelten Bein zu bilden.

Wiederholen Sie die Übung acht Mal und wechseln dann das Bein.

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